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DES KÜNSTLERS PEIN

„Haben sie auch was mit sonnenblumen?“
„Nein(!!!)“
„Wissen´s, ich mal auch!“
(…. Wie interessant!)
„Ja, er malt so schön!“ (einwurf der gattin)
„Letzten sommer hat er die sonnenblumen in unserm garten g´malt! Aber er kommt ja net dazu, hat viel zu viel zu tun! Gel schatzi?“
 
Meinem freund z., seines zeichens maler, aber nicht zorro, wie man vielleicht fälschlich annimmt, schwillt sichtlich der hals.
 
„Ja, wenn´s sonnenblumen hätten….!“
Der verhinderte van gogh läßt sein fachauge geringschätzig über die werke von z. schweifen.
Z ist inzwischen schon purpurfärbig angelaufen.
 
Gottseidank wendet sich der kunstexperte samt gattin rechtzeitig dem beachtlichen buffet zu, denn deswegen ist er eigentlich gekommen, schließlich hat er auf sein nachtmahl verzichtet, um sich diesen plunder anzuschauen!
 
Gottseidank.
Denn mein freund z. zischt gefährlich:
„I bring den um!
Den bring i um!“
 
Wir beruhigen ihn mühsam.
 
Bis jetzt hat es anlässlich seiner vernissagen noch keine mordfälle gegeben, aber manchmal war´s so knapp dran!
So!
 
 
Der abend der vernissage ist stressig.
Man ist zu spät dran.
Das telefon klingelt unaufhörlich.
 
Meist sind es leute, die sich bemüßigt fühlen, mir im letzten moment, gerade, wenn ich mir die papillotten aus den haaren wurschtle und mir die sündteuren, heiklen wolfordstrümpfe anziehe, mitzuteilen, dass sie nicht kommen können, so leid es ihnen auch täte!
 
Herr im himmel! Natürlich streife ich beim hinrasen zum telefon eine  kommodenecke, weil mir das katzentier in die quere kommt und die edelstrümpfe haben eine laufmasche in wadenhöhe!
Ich wiederhole die unheiligen worte nicht, die über meine lippen kommen!
 
Ganz besonders liebe ich jene besucher, die mich anrufen und frohlockend ankündigen:
„Also gel, ich komm zu ihrer vernissage!“
(oh jubel!)
„- und ich bring die frau müller mit, die macht so schöne aquarelle!“
 
meine freude kennt keine grenzen.
 
 
Dann kommt der bewusste abend, MEIN abend wohlgemerkt,
ich bin gut gelaunt, bestens gelaunt, weil die stücke gut hängen, bzw.
stehen und die beleuchtung stimmt, weil alle meine freunde da   
sind, und das publikum angenehm ist,
da kommt sie tatsächlich -
und bringt die angedrohte aquarellistin mit!
 
Ja, ich ahne es:
„das ist die frau müller, daheim hab ich alles voll mit ihren aquarellen!“
und bugsiert das malerjuwel vor mich hin!
Was soll ich sagen?
Ich sag dem braven, pinselnden frauchen originellerweise:
„sehr schön!“
und darf mich dem-himmel-sei-dank den neuankömmlingen zuwenden!
Frau sowieso mit malermüllerin begutachtet inzwischen meine produktionen.
 
(Mir wird es ewig ein rätsel bleiben, was manche besucher dazu treibt, noch einen künstler anzuschleppen!
Meinen sie im ernst, ich hüpfe dann vor freude?
Ihr sollt MEINE sachen anschauen  und was mit nach hause nehmen!
Künstler sind exhibitionisten und wollen, dass man sich mit ihnen befasst und mit sonst gar nichts!
Und mich interessiert den teufel, was eine frau müller euch aufs papier kleckst!
Ich halte es mit kästner: „kitsch ist, was der andere macht!“ (Künstlerfreunde ausgenommen)
 
Es gibt natürlich auch die andere sorte publikum, die sich aus den höhen ihres business herablässt zu deiner kunst.
Zu finden vorwiegend unter der wiener schnöselpartie.
(anmerkung: das wort yuppie kommt wahrscheinlich vom gedämpften: „ippieeeee, ich hab wieder an der börse erfolgreich getrickst! Und unsere depperte aufsicht hat´s nicht gemerkt!“)
 
Ähnlich wie der einfachgestrickte van gogh fühlen auch sie künstlerische ambition in sich, wiewohl sie viel zu wichtig in ihrem job sind, als dass sie sich den luxus des kreativen tuns erlauben dürften!
(drauf hätten sie´s natürlich locker!)
 
Du spürst es gleich – wie wichtig sie sind.
Früher, vor jahren hatten sie dauernd ihr handy im anschlag,
jetzt ganz im gegenteil  ist es elitär, es zu haus zu lassen!
So ändern sich die zeiten.
 
So einer erklärt dir, wie dein kunstwerk eigentlich auszuschauen hätt, wenn er, begnadet, aber dauergestresßt, der urheber wäre…
 
„….und da würd ich auf alle fälle einen NIRO-rahmen machen…!“
 
niro? Niro? Ich kenne nitro, nino, er wird doch nicht de niro meinen?
Ach herrje, ich dummes landei aus der finsteren steiermark,
jeglicher design-sprache unkundig -
nirosta meint er!!!
 
Nein, mein herr, in der steiermark haben wir nur viel holz!
 
 
 
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Die ansprache!
Es gibt professionelle vernissagensprecher, sie beuteln die ansprache souverän aus dem linken ärmel, herauskommt mindestens ein nachfolger manets-monets-magritte´s….
Der solcherart hochgelobte künstler wächst während all der frommen lügen um seine kunst um einige zentimeter und glaubt am ende selbst noch, wie toll er ist, ungeachtet der liga, in der er wirklich spielt!
 
Aber das macht nichts, tut keinem weh, selbstbewußtsein verkauft!
Die treue anhängerschaft – der fanclub, den jeder künstler wie einen rattenschwanz hinter sich herzieht, ist hochzufrieden, haben sie´s doch alle gewusst, IHR franzi kann was!
Und das sonstige publikum ist beeindruckt, einen genius kennenzulernen!
 
In der Donnerstag-nacht im ORF haben wir´s gehört:
So läuft das mit dem erfolg des künstlers
–        10% sind idee und können,
–        40% auftreten in der öffentlichkeit
–        50% image
 
dabei spielt es keine rolle, wodurch du aufmerksamkeit erregst, hauptsache, dass!
Das ist ein alter hut.
Dann kennt man dich, man kann sich nur mit bekanntem identifizieren und das macht dich erst vermarktbar.
 
Rein äußerlich muß der künstler schon als solcher auszumachen sein.
 
Das künstlerkapperl ist aus diesem grund ein dauerbrenner.
Wiewohl nicht mehr sonderlich originell, ist es doch eine wirkungsvolle kennzeichnung des künstlers, das dem vernissagenbesucher viel peinliches ersparen hilft…
(zb: wenn er neben dem nicht durch das künstlerkapperl ausgewiesenen künstler stehend, seinen nachbarn fragt:
„wißt´s ihr, wer den schmarrn da g´macht hat? I geh zum buffet, bevor ma schlecht wird von de bilda…“)
 
die auffällige kopfbedeckung dient auch den wirklichen afficionados dazu, auf das objekt ihrer begierde zusteuern zu können, um es in stundenlange fruchtlose gespräche über kunst zu verwickeln, bis die wirklichen mäzene, die geduldig im hintergrund warten, sich endlich verzogen haben.
 
Die kollegen, die sich herbeibequemt haben, um das event durch ihre anwesenheit zu adeln und das gesamte weißburgunderkontingent auszusaufen, haben aus gründen der fairness ihre kappeln zu hause zu lassen.
 
Wie sollen sich die vernissagenbesucher sonst auskennen inmitten all der bunten köpfe?
 
Wahlweise können weibliche künstler statt des kapperls auch extravagantes schuhwerk tragen, zb salatstecher mit schlangenriemchen, die die waden emporkriechen, oder plateausohlen – gut, die sind nicht mehr modern, gottseidank, sie haben nämlich wie alle high-heels den kleingewachsenen mäzen und sammler verscheucht.
Bei den männlichen künstlern sind palästinensertücher und che-guevarra-barrette hoffnungslos out, und natürlich auch die schmierige-leiberl-und-speckige-jeans-variante.
 
Im gegenteil.
Der marketingbewußte künstler von heute hüllt seinen begnadeten körper taillenabwärts in armanibeinkleider, farbe schwarz und im kontrast dazu taillenaufwärts in ein versacehemd, farbe dunkelanthrazit.
So schreitet er zur vernissage, schließlich ist er kein armer schlucker, auch er fährt auf urlaub, er verkauft sich gut und das soll man sehen.
 
Die romantische hungerleidernummer ist passé, er ist ein gesamtprodukt aus person, nimbus und kunst und an der börse notiert.
 
Natürlich hat er ein paar coole kärtchen in seiner seidenen hosentasche mit seiner supercoolen webadresse drauf, die er lässig herausziehen kann, wenn einer den galeristen austricksen und sich die 40%  sparen will!
 
Mein gott, selbst ein goya hat sich verkauft, an den könig, den regenten, an die herzogin von alba….
Auch er hat zugeständnisse ans wohlleben gemacht.
Er hat der hässlichen königin die habsburgerlippe schmäler gemacht, dem könig den bauch schlanker, den infanten den gesichtsausdruck gescheiter.
 
Und vielleicht hat er zum großinquisitor gesagt: „eure magnifizenz wollen sonnenblumen aufs portrait gemalt haben?
Andernfalls ich einem autodafé anheimfiele?
Schwierige entscheidung…….“



© HEIDI INFFELD